Entscheidungen in der Kirche müssen von allen getroffen werden

Gedanken zu Apg 15 und Joh 14, 23-29

Das Kirchenvolk ist aufgewühlt und zornig. Viele haben das Gefühl, dass doch nur wieder geredet und beschwichtigt wird; dass Entscheidungen vertagt werden und „Rom“ wie eine Fessel wirkt, die Freiheit verhindert. Das sagte sogar ein deutscher Bischof. Die Menschen werfen der Kirche und damit auch uns, die wir doch in ihr bleiben wollen, Unglaubwürdigkeit vor. Sie liegen über Kreuz mit ihrer scheint’s wenig einfühlsamen Sprache, ihren kaum noch verständlichen Begründungen für bestimmte Regeln und Lebensformen.

Auf der anderen Seite aber suchen Menschen nach Orientierung, nach festen Werten und Antworten auf ihre tiefsten Fragen: eine Riesenchance für das Evangelium Jesu.

Die Apostelgeschichte lässt uns heute in eine spannende Zeit der jungen Kirche hinein schauen. Da waren auch viele verunsichert, fragten sich, ob das alte Gesetz nicht mehr gilt, fürchteten, dass Schranken fallen.

Griechisch sprechende Menschen mit heidnischer Vorgeschichte sind zu den Gemeinden gestoßen, halten sich nicht an die jüdischen Speisevorschriften und Gesetzesregeln, dominieren bald sogar zahlenmäßig und sorgen für heftige Auseinandersetzungen in Antiochia und den Synagogen-gemeinden Kleinasiens.

Auch die Apostel sind sich nicht einig, Paulus tritt für größere Freiheit ein. Petrus scheint ihm zuzuneigen. Er isst zusammen mit den Heidenchristen, bleibt aber wankelmütig:

Als Anhänger des Jakobus nach Antiochia kommen und die Einhaltung des jüdischen Gesetzes fordern, sondert er sich wieder von denen ab, die vorher Heiden waren. Paulus kann dieses Verhalten des Petrus nicht ab und wirft ihm Heuchelei vor. Der Streit eskaliert, Paulus widersteht dem Petrus ins Angesicht.

Um eine Lösung zu finden, schickt die Gemeinde Paulus und Barnabas und einige andere nach Jerusalem zu den Aposteln. Sie berichten, dass immer mehr Heiden dem Evangelium Glauben schenken – und geraten wieder in Streit mit denen, die früher zu der strengen Richtung der Pharisäer gehörten.

Irgendwie spüren alle, dass die junge Gemeinde an einer entscheidenden Wegkreuzung angelangt ist. Bleibt die Gemeinde bei der Engführung über das jüdische Gesetz, dann ist der Weg in die Sekte vorgezeichnet. Entscheidet sie sich für die Freiheit, wird kurz über lang die Trennung vom Judentum unausweichlich.

Es beginnt ein Ringen um die Lösung: im Hören auf die Erfahrungen, die Paulus und Barnabas machten; durch Nachdenken darüber, was diese Erfahrungen bedeuten; durch Gebet und Fasten. Am Ende sind alle davon überzeugt, dass der Heilige Geist selbst die vormals heidnischen Glaubenden angerührt hat, dass er für Freiheit und Öffnung steht, dass er durch die spricht, die zur Gemeinde hinzustoßen.

Der Brief, den die Abgesandten nach Antiochia mitnehmen, ist ein Dokument der Freiheit im Heiligen Geist:

„Der Heilige Geist und wir haben nämlich beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen…“

Für uns enthalten diese Berichte aus der frühen Zeit der Kirche wichtige Signale. Damals gab es harte Diskussionen und Streit.

Aber die Gemeinde wurde bei der Entscheidungsfindung beteiligt, die unterschiedlichen Meinungen wurden nicht unter den Teppich gekehrt. Man bestürmt geradezu den Hl. Geist, er möge doch Rat geben und weise Entscheidungen eröffnen.

So dürfen wir heute im Blick auf unsere Anfänge fordern:

Wichtige Fragen müssen vom ganzen Volk Gottes entschieden werden. Bischöfe, Priester, Laien, Ehrenamtliche und Hauptamtliche müssen gemeinsam nach Lösungen suchen. Und die Amtsträger haben nicht von vornherein größere Autorität und dürfen die Diskussion nicht dominieren.

Zuhören und Zusehen, wie die Praxis der Gemeinden aussieht, ist eine wichtige Voraussetzung für eine spätere Entscheidung.

Meinungen austauschen, die Gedanken anderer mitgehen, das hilft zu einer späteren einvernehmlichen Entscheidung. Dabei sind die Vollmachtsträger in ihrer Verantwortung sehr ernst zu nehmen.

Das Gebet um den Geist Gottes und das Hören auf die Eingebungen des Geistes aber müssen deutlich machen, dass nicht Menschen Herren der Kirche sind, sondern dass der Hl. Geist die Kirche leitet.

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